Dev Hynes ist ein Lügner, wenn auch ein sehr sympathischer: Er will uns weismachen, dass nichts einfacher ist, als große Melodien zu schreiben. Dies kann jedoch nicht stimmen, bedenkt man, welche Ausnahmestellung der Lightspeed Champion in der britischen Rock- und Pop-Musik einnimmt.

Und doch ist er auch nach zwei Meisterwerken noch immer nicht der große Champion, der er angesichts seiner brillanten Melodien, herzergreifenden Vortragsweise, markanten Stimme, und der unermesslichen Qualitäten als Komposer sein müsste.

Offenbar fällt der gemeiner Zuhörer nach wie vor auf Dev Hynes’ Lügen herein und glaubt daran, dass seine Musik wirklich einfach ist. Doch das ist wirklich schade, mixt er doch wuchtigen Brit Rock, Queen (!) und eine französische „La Boum“ Ballade in seine Rundschau des musikalischen Schaffens von der Insel mit ein. Insbesondere der Deutsche ist offenbar nach wie vor ein musikalischer Masochist, der nur dann etwas fühlt, wenn er er von gefalteten Händen wie von einem Karateschlag niedergestreckt wird. Doch geh’ davon aus, dass es da draußen weitaus größere Musik gibt.

Vergleicht man „Life is sweet. Nice to meet you“ mit dem Debut „Falling Off the Lavender Bridge“, fällt auf, dass es in sich geschlossener wirkt. Letzteres hatte den einen oder anderen deutlicheren Ausschlag nach oben (z.B. dank „Midnight Surprise“), während einem das neue Album die  Entscheidung etwas schwerer macht: Während „Marlene“ der Rock Hit des Albums sein will (und es nach drei- bis viermal Hören auch ist), liefert „Faculty of Tears“ eine der großen Melodien, ähnlich wie „Romart“, der zum unbedingten Träumen einlädt.

Dass Dev Hynes mit dem neuen Album zugleich einen Stilwandel vollzogen hat, ist ebenfalls unüberhörbar: Auf dem ersten Album waren es noch Folk und Country (und Pop), während das zweite Machwerk den britischen Sound einzufangen versucht. Ohnehin beschleicht mich das Gefühl, dass der Lightspeed Champion eigentlich alles machen könnte: Das große Hip Hop Album, die Punk Platte, oder etwa die ausufernde Rock-Oper – wenn ich jemandem all das zutraue, dann Dev Hynes. Nice to meet you.

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